Karl-M. Dietz‘ Kommentar zu den Schweißprüfungen des JGHV

Um die Nasenleistung eines Junghundes (Welpe) schon frühzeitig zu fördern,

lege ich eine kurze Schleppe oder Schweißfährte zum Futtertopf. Schon bald erkennt der kleine Kerl, wenn ich suche, bekomme ich etwas Schönes oder Leckeres. Es lohnt sich also die Nase zu gebrauchen.

Meine Erfahrung ist, dass der Hund, was er als erstes gelernt hat,  sein Leben lang nicht vergisst.

Was für Bedingungen stelle ich an einen zukünftigen Nachsuchenhund?

  1. Einen sehr guten Nasengebrauch bzw. die aufgenommene Witterung verarbeiten zu können.
  2. Ein starkes Nervenkostüm (nicht schreckhaft , bzw. ängstlich)
  3. Enorm ausgeprägten Finderwillen und Beutetrieb
  4. Der Hund muss fährtenlaut sein, um bei einer Hetze die Jagd verfolgen zu können.
  5. Voraussetzung ist ebenfalls ein Grundgehorsam, ohne den geht nichts.

Zu Punkt 4 kann man sagen, dass heute ein GPS – Gerät die Arbeit macht.

Oft kommt es vor, dass man, je nach Gelände, keinen GPS-Kontakt hat, dann ist man auf den Hundelaut angewiesen.

Meine Hochachtung gilt unseren Nachsuchenführern,  egal ob BGS –  oder Hannoveraner – Führern,  natürlich auch anderen  Spezialisten, die sich der Sache verschrieben haben, die sich manches gefallen lassen müssen.

(siehe Jagdgebrauchshund 1 – 2020)  Ich spreche da aus eigener Erfahrung über viele Jahre Nachsuchenarbeit.

Hast du Erfolg, bis du der King, wenn es nicht möglich ist nach einem Schlumpschuss das Stück zu bekommen, taugt entweder der Hund  oder der Führer nichts.

Nun bin ich aber abgeschweift und möchte zum eigentlichen Thema kommen.

Schweißprüfungen

Die meisten Mitgliedsvereine im JGHV veranstalten Schweißprüfungen entweder als eingeflochtene Prüfung (z.B. bei der VGP) oder aber eine spezielle Schweißprüfung.

Die PO für diese Prüfungen verlangen eine Fährtenlänge zwischen 400 m und 1000 m. Weiterhin wird eine Stehzeit der Fährten  von – bis zu 40 Std. verlangt

Um nun auf die einzelnen Prüfungen einzugehen, würde den Rahmen  sprengen.

Als „Krönung“ der Schweißprüfungen, ist die unter der Schirmherrschaft des JGHV  durchgeführten Verbandsschweißprüfungen und Verbandsfährtenschuhprüfungen.

Jedes Jahr verfolge ich die Ausgabe  Nr. 4 des Jagdgebrauchshundes. Hier werden die Verbandsschweiß- und Verbandsfährtenschuhprüfungen ausgeschrieben.

Wenn ich dann im nächsten Jahr vergleiche, welche Prüfungen durchgeführt wurden, so komme ich auf 60 bis 70 % durchgeführte Prüfungen. Beispiele:

2016  –  ausgeschrieben 207 Prüfungen / durchgeführt 145 Prüfungen = 70%

2017  –  ausgeschrieben 236 Prüfungen/  durchgeführt  142 Prüfungen = 60%

2018  –  ausgeschrieben 251 Prüfungen/  durchgeführt  167 Prüfungen = 67%

2019  –  ausgeschrieben 251 Prüfungen/  durchgeführt – noch nicht bekannt

Wir sollten uns im Voraus darüber im Klaren sein, ob wir die Prüfung durchführen können oder nicht. Es wäre für diese Prüfung zu schade, wenn sie nicht mit dem dazu gehörenden Respekt angesehen würde.

Für mich ist und bleibt es die Krönung der Schweißprüfungen.

Die Prüfung gehört fachmännisch geplant und vorbereitet.

Es kann  nicht sein, dass jedes Jahr die Fährten, mit nur kleineren Abweichung, immer die gleichen sind.

Auf einer Prüfung habe ich erlebt, dass die Fährten mit Rotwildschweiß gelegt wurden, in den Wundbetten lagen Sauborsten und am Ende lag ein Stück Rehwild.  Hochachtung dem Hund, der sich da durchgewurstelt hat.

So etwas geht natürlich gar nicht.

Eine andere Unart hat sich immer mehr gezeigt, indem „stille Weiser“ auf der Fährte angebracht werden. (im Fährtenverlauf werden Äste an Bäume angelehnt, Zweige an- bzw. abgebrochen)

Wir wollen jetzt nicht noch mehr negatives aufführen,  meine Bitte geht dahin, dass wir diese Prüfung nicht „verwaschen“.

In den 39 Jahren, die ich als „SW-Richter“ tätig bin, habe ich sehr viele hervorragend durchgeführte VSwP und VFsP  mitgemacht und wünsche mir für die Zukunft, dass diese Prüfungen mit ihrem hohen Niveau weiter so erhalten bleiben.

Nun zu einer relativ „neuen Prüfung“.

Die VSwP  oder  VFsP  ohne Richterbegleitung. (diese Prüfung ist nicht in der PO des JGHV enthalten)

Das ist für mich eine Erschwernis bzw. eine Aufwertung der bisherigen Prüfungen.

Die Grundbedingungen sind die gleichen, wie bei den bisherigen Prüfungen,

Länge der Fährten – 1000 m  (oder 1200 Schritt)

Schweißmenge wie bei der VSwP / VFsP

Auf den 1000 m werden 5 Verweiserpunkte ausgelegt (Rundholzscheiben = Durchmesser ca  6  cm)  die der Führer mitbringen muss oder sollte.

Je mehr Verweiserpunkte er mitbringt, desto besser. Um eine Kontrolle für die Fährtensicherheit des Gespanns zu haben,  werden die Fährten während des Legens mit einem GPS-Gerät  aufgezeichnet. Bei der Prüfung bekommt der Hundeführer ebenfalls ein GPS – Gerät mit und die Richter sind jederzeit informiert wie die Arbeit abläuft.

Der Hundeführer wird von einem Richter am Anschuss  eingewiesen und er informiert ihn über die Fluchtrichtung.  Weiterhin notiert der Richter die Startzeit. Dann  ist der Hundeführer auf sich selbst angewiesen .

Am Stück sind 2 Richter, die sich versteckt halten und die Ankunftzeit notieren.

Der Hundeführer hat nun die Verweiserpunkte vorzulegen.

Die Arbeitszeit darf 90 min. nicht überschreiten. Jedes Gespann, welches am Ende innerhalb der 90 min. ankommt, hat die Prüfung bestanden.

Die Ergebnisbekanntgabe erfolgt nach der Anzahl der Verweiserpunkte und der geleisteten Arbeitszeit.

Bei Vorlage von 4 oder 5 Verweiserpunkten erreicht das Gespann einen 1. Preis

Bei Vorlage von 2 oder 3 Verweiserpunkten erreicht das Gespann einen 2. Preis

Bei Vorlage von 1 oder 0 Verweiserpunkten erreicht das Gespann einen 3. Preis

Bei gleicher Anzahl von Verweiserpunkten entscheidet die kürzere  Arbeitszeit.

Es wäre wünschenswert, wenn sich diese Prüfung weiter durchsetzen würde

Beim Deutschen Teckelklub wird diese Prüfung schon mit Erfolg durchgeführt.

Diese Prüfung kommt der rauhen Praxis sehr nahe und zeigt, ob der Hund und Führer fähig sind, eine Natur-Nachsuche durchzuführen.

Hier darf ich auf die Einleitung der PO- VSwp/VFsP  des JGHV hinweisen

= Zweck der VSwP/VFsP =

So, liebe Hundeführerinnen und Führer, hier habe ich meine Gedanken einmal  niedergeschrieben. Sicherlich wird nicht jeder mit allem einverstanden sein. Sollte jemand einen Einwand haben, stehe ich jederzeit zu einer Aussprache zur Verfügung.

Ho Rüd Ho und Waidmannsheil

Karl-M. Dietz