Schwierigkeiten beim Apportieren im Jagdbetrieb

Schwierigkeiten beim Apportieren im Jagdbetrieb

Nachdem Tyras im Laufe des Sommers zahlreiche Apportierübungen, teils mit Apportgegenständen, teil mit Wild absolviert hat, und er im Herbst die Bedingungen für die gesetzliche Brauchbarkeitsprüfung erfüllt hat, blickt sein Führer gelassen den Anforderungen des Jagdbetriebes entgegen.

Hasenjagd Ende November: Dabei erlegt der Hundeführer einen Hasen, der auf der anderen Seite des Grabens verendet liegt. Tyras, zur Arbeit aufgerufen, überfällt flott den Graben, bewindet anhaltend den Hasen und hat große Schwierigkeiten, diesen aufzunehmen. Immer wieder entfällt ihm der Hase. Der Hundeführer wird unruhig und herrscht den Hund an. Schließlich fasst der Hund „mit spitzen Zähnen“ den Balg und verliert am Graben erneut den Hasen, der dann noch ins Wasser rollt. Der Hundeführer versteht die Welt nicht mehr („…dass hat er ja noch nie gemacht!“). Bei zahlreichen Übungssequenzen im Sommer nahm der Hund das Kaninchen unverzüglich auf und brachte sofort. Ein älterer Jäger beruhigt den Hundeführer: Während die Kaninchen zu Übungszwecken stets kalt waren, ist hier der Hase noch warm. Bei der ersten Begegnung mit einer für den Hund neuen Wildart ist das anhaltende Bewinden nicht verwunderlich. Der Balg des frisch erlegten Hasen ist sehr beweglich auf dem Wildkörper, deshalb die Probleme beim Aufnehmen. Schließlich kommt das Gewicht noch hinzu. Nach wenigen Wiederholungen wird der Hund auch Hasen sicher und zügig apportieren.

Treibjagd auf einem Moorstück: Vor dem Hundeführer streicht ein Hahn ab, den dieser erlegt. Der Hahn fiel auf 25 m Entfernung „wie ein Stein“ zu Boden, ist aber zwischen Porst und Binsen nicht zu sehen. Der suchende Hund wird zur Nachsuche aufgerufen. Trotz ausdauernder Suche (ca. 15 min.) findet der Hund nichts, der Finderwille läßt nach. Der Hundeführer ist enttäuscht, fand der Hund bei allen Übungen schnell den Apportgegenstand. Auch ein scheinbar tödlich getroffener Fasan ist manchmal noch im Stande, sich schnell einzuschieben. Auch wenn der suchende Hund dicht an dieser Stelle arbeitet, muss er nicht zwangsläufig den Hahn in die Nase bekommen. Nach einer längeren Zeit (etwa 2 Stunden) ist die Witterung des verendeten Hahn emporgestiegen und der Hund kann den Hahn wittern und apportieren oder der noch lebenden Hahn hat sein „Versteck“ verlassen und ist durch sein Geläuf wieder für en Hund nasenmäßig wahrnehmbar.

Schnepfenjagd im lichten Waldbestand: Die verendete Schnepfe liegt für den Schützen sichtbar auf dem ebenen Waldboden. Der suchende Hund läuft mit halbhoher Nase unter Wind an der Schnepfe vorbei und nimmt diese nicht wahr. Der Hundeführer ist fassungslos. Auch hier dauert es einen Moment, bis die Witterung verströmt und der Hund die Schnepfe wahrnimmt.

Taubenansitzjagd im Winter: Eine getroffene Taube streicht ab und fällt ca. 701 m vom Hundeführer entfernt zu Boden. Der zum Apportieren aufgerufene Hund findet diese schnell, scheint aber auf der Taube zu „kauen“. Als der Hund schließlich herankommt, nimmt der Hundeführer einen „Federball“ entgegen. Im Gegensatz zur bereits eingefrorenen Taube sondert die frisch erlegte Taube sehr schnell ihre Feder ab, so dass sich auch eingejagte Hunde mit dem Bringen schwer tun.

Abendliche Entenjagd am Teich: Eine sichtbar getroffene Ente fällt ca. 100 m vom Gewässer entfernt in eine Wiese. Der Hund kommt trotz intensiver Suche immer wieder leer zurück. Manchmal flattert eine Ente noch weiter, so dass der Hund, der sich an der ersten Fallstelle festsaugt, nicht zum Erfolg kommt. Die unter Umständen ablaufende Ente gibt nicht viel Witterung ab. Zunächste sollte der Hund eine größe Fläche absuchen. Dann kann der Hundeführer seinen Hund unterstützen, in dem er ggf. Grabenuferkanten mit in Augenschein nimmt. Dort drücken sich manchmal Enten unter Böschungsüberhängen oder in Einfahrten von Bisambauten. Der Hundeführer darf sich dabei nicht vom Wind verleiten lassen. Selbst wenn der Wind eindeutig aus einer Richtung weht, herrschen in einem Graben ganz andere Windverhältnisse (Fallwind, Küseln, Windstille an der Gewässerkante, insbesondere bei steilwandigen Gewässern). Sollte die abendliche Nachsuche ergebnislos bleiben, sol sollte auf jeden Fall am nächsten Morgen das Gewässer erneut abgesucht werden: eine noch lebende Ente nimmt im Laufe der Nacht immer das Wasser an, instinktiv wissend, dass sie nur dort eine Chance gegenüber den nächtlichen Beutegreifern hat.

Auch bei gewissenhafter Vorbereitung des Hundes vor oder auch nach einer Prüfung lassen sich nicht alle Situationen des Jagdbetriebes simulieren. In diesen Situationen helfen ein realistisches Einfühlungsvermögen in die Leistungsfähigkeit eines Hundes und Jagdverstand des Hundeführers, um trotzdem zum Erfolg zu gelangen. Es ist ein Gebot der Waidgerechtigkeit und des Tierschutzes, dieselbe Energie bei der Nachsuche auf Niederwild an den Tag zu legen, wie bei einem Boch oder einer Sau, auch wenn ein Nachsuchenführer auf Niederwild seltener die Anerkennung des Schützen und der Mitjäger zu hören bekommt bzw „nur“ das Leistungszeichen „Vbr“ winkt.

Mögen diese Beispiele das Verständnis des Hundeführers aber auch des Nicht-Hundeführers für die Probleme des Hundes beim Apportieren im Jagdbetrieb verbessern!

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