Ausbildung zum Kadaversuchhund vom Land Niedersachsen am Beispiel von Aurin II vom Fuchseck

Ein Bericht von Jörg Lange, Verband für Kleine Münsterländer Landesgruppe Hannover – Braunschweig

In dem halbjährigen Ausbildungsprojekt des Landes Niedersachsen von März bis September 2021 wurden an 25 Einzelübungstagen durch 3 Ausbilder (Dr. Jennifer Hirschfeld, Dr. Wibke Wohlfromm und Thorsten Hirschfeld), die langjährige Erfahrung im Rettungshundewesen und der Jagd haben, 25 Teams ( Hundeführer u. Hund ) in folgendem ausgebildet:

– Freie Suche der Hunde in Zusammenarbeit mit den Hundeführern

– Suche in unterschiedlichen Geländestrukturen

– Anzeige von Schwarzwildkadavern durch Bringseln

– Unterschiedliche Verwesungszustände von Schwarzwild

– Verschiedene Teile (Schwarte, Gewebe, Knochen, ganze Kadaver)

– Unterschiedliche Wildschweine ( Bache, Keiler, Frischlinge )

Die erste Sichtung fand im Saugatter statt, um die „Spreu vom Weizen“ zu trennen, denn nicht jeder gute Jagdhund ist ein guter Suchhund. Hier sollten die Grundeigenschaften der Hunde gesichtet werden und der wohl wichtigste Punkt, das Verhalten bei Anwesenheit von Wild und die Bereitschaft des Hundes auch dann noch zielgerichtet zu arbeiten.

Entscheidend hierbei, dass ein Bezug zum Hundeführer gegeben ist, er selbstständig arbeitet, in genau dem Bereich den er absuchen soll.

Die Herausforderung bei jagdlich durchgearbeiteten Hunden ist, zu erkennen wann sie die gewünschte Arbeit leisten oder ihrem Jagdtrieb nachgehen. Hier besteht sicher ein Zusammenhang zur Schweißarbeit und natürlich der Rettungshundearbeit, bei der der Hund nur der „vorprogrammierten“ Witterung folgen soll.

Bei im Wald frei arbeitenden Hunden ergeben sich die bekannten Gefahren und Verleitungen.

Die Anzeige der Kadaver erfolgt durch Bringseln.

Der Aufbau ist wie folgt:

  1. 20 cm lange Schlauchstücke (nachfolgend Reels genannt) werden in einem Abstand von ca. 50 cm gegen die Windrichtung vor dem Kadaver oder einem Behälter mit einem Geruchsträger ausgelegt. Dann wird mit dem angeleinten Hund in Richtung der Witterung gearbeitet, bis er an das Reel gelangt.

Während man den Hund in diesem Stadium der Ausbildung vielleicht sogar noch auffordern muss das Reel aufzunehmen, werden nachfolgend mit zunehmender Sicherheit des Hundes, die Leine und die Kommandos weggelassen und der Abstand zum Kadaver erhöht.

Die Motivationsbereitschaft des Hundes ist hier ein sehr wichtiger Faktor, sei es durch Lob, Leckerlis oder das Lieblingsspielzeug, wird der Hund immer mehr bereit sein das anvisierte Ziel, das ausgelegte Reel, an das der Hund durch den Kadavergeruch gelangt, zu finden und es dem Hundeführer zu bringen.

Das ausgiebige Spiel oder die Belohnung bestärken den Hund in seiner Arbeit. Das zurückführen zum Kadaver ist dann für den Hund meist keine besondere Herausforderung mehr, muss aber auch geübt werden und ist erst durch das spätere Zusammensetzen beider Übungsteile der komplette Ablauf.

Durch beständiges Üben in immer wechselnden Geländestrukturen lernt der Hund diese Aufgabe zu generalisieren, so dass er mit größter Zuverlässigkeit auch in unwegsamen Gebieten anzeigt.

Wenn man dann auf das Bringsel umsteigt, wird die anfängliche Unsicherheit des Hundes am Kadaver kein Reel vorzufinden ausgenutzt und aus der „Verlegenheit“ heraus, beim Herrchen ohne etwas im Fang dazustehen, begreift der Hund sehr schnell, dass das Bringsel an seinem Hals eine Alternative darstellt, welche mit entsprechender Belohnung guttiert wird.

Sind diese Schritte komplett, heißt es nur noch üben üben üben…

Weitere wichtige Ausbildungsinhalte sind: Orientierung im Gelände, erste Hilfe Hund, erste Hilfe Mensch, Ansprechverhalten Hund, Lerntheorie

Am Ende steht eine Prüfung, bei der an einem freiliegenden Kadaver eine Anzeige ohne anschneiden desselbigen gezeigt werden muss, bevor das Team auf 2, ein Hektar großen Waldstücken min. 2 bis max. 5 Kadaver innerhalb von 30 Minuten finden muss. Hier bestimmt die Windrichtung die Suchtaktik. Die Orientierung erfolgt per Kompass und Gps. Wird der erste Kadaver gefunden, muss dieser abtrassiert und anschließend per Gps die Koordinaten dokumentiert werden. Der Hundeführer hat bei der Suche die Aufgabe, die Suchtaktik je nach Gelände- und Windverhältnissen anzupassen und seinen Hund so anzuleiten, dass es dem Hund möglich ist in die Witterung zu laufen.

Alles in allem ist diese Arbeit sehr Komplex und erfordert eine gute Zusammenarbeit des Teams.

Nachfolgend eine Bilderreihe, die den Ablauf verdeutlicht.

Züchterseminar des Landesverbands

Züchterseminar des JGHV Landesverbands Niedersachsen

Am 8.8.2021 hat der JGHV Landesverband Niedersachsen im Niedersachsenhof Verden ein gut besuchtes Züchterseminar durchgeführt. Die über 70 Anwesenden waren gespannt was die vom Landesverband gewonnen Referentinnen Dr. Dagmar Heydeck und Eva Sanicar ihnen zu den Themen „Von der Wurfplanung bis zur Welpenabgabe“ und „Erkrankungen von Hündin und Welpen“ präsentieren werden.

Mit Frau Dr. Heydeck, Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats des VDH und Obfrau für Gesundheit und Wissenschaft und selbst Züchterin, konnte eine Expertin gewonnen werden, die aus der eigenen Praxis berichten kann. Neben der Theorie um Gesetzliche Grundlagen für die Hundehaltung und -zucht, die zunächst über der Rahmenzuchtordnung des VDH zu sehen ist, beschrieb sie Zuchtstrategien und auch Grundsätze für eine gesunde und leistungsorientierte Hundezucht.

Grundsätzlich gilt für alle Hundezüchter die Tierschutz-Hundeverordnung, welche im Jahr 2021 vom Gesetzgeber überarbeitet wurde. So ist der Hündin vor der Geburt eine Wurfkiste zur Verfügung zu stellen, die der Größe der Hündin und der zu erwartenden Zahl und Größe der Welpen angemessen ist. Diese Kiste muss zwingend auch mit Abstandshaltern ausgestattet sein.

Frau Dr. Heydeck machte in ihrem Vortrag die Bedeutung von Zuchtvereine und der Funktion des Zuchtwartes / der Zuchtwartin deutlich. „Hier sind Schulungen wichtig,“ führte sie aus, „auch um die Vereine zu schützen“.

Für die Zucht sollten nur instinktsichere und verhaltenssichere Hunde eingesetzt werden. Außerdem sollte nicht jeder Hund mit hervorragenden Prüfungsergebnissen als Zuchthund angesehen werden. Jagdpraktische Erfahrungen mit dem Hund und auch die „Alltagstauglichkeit“ des Hundes sind an dieser Stelle viel mehr gefragt. Hier appellierte sie an Züchterinnen und Züchter die Zuchttauglichkeit von zuchttauglichen Hunden selbstkritisch zu hinterfragen.
Welpen orientieren sich vor allem am Verhalten der Hündin. Sie hat somit eine besondere Bedeutung, weil sie die Welpen aufzieht und dabei erzieht. Die Welpen müssen Grenzen kennen, und lernen ihr Verhalten anzupassen. Nur so ist eine vernünftige Sozialisation möglich.

Beim Thema Zuchtlenkung wurde es besonders spannend, da Frau Heydeck neben einer Beschränkung der Deckakte für Rüden in einer Rasse, auch die Beschränkung von Wiederholungswürfen ins Spiel brachte. „Dies sind wichtige Maßnahmen um Fehler in einer Rasse möglichst nur auf wenige Exemplare zu beschränken und die genetische Vielfalt zu erhalten,“ so Heydeck. Zuchtwertschätzung mache im Übrigen erst ab einer gewissen Anzahl von Welpen eine Rasse pro Jahr Sinn. Das von einigen Rassen in der Vergangenheit genutzte gezielte Einkreuzungen anderer Rassen kann die genetische Vielfalt erweitern, birgt aber auch Gefahren die Ursprungsrasse zu verfremden.

Für die interessierten Züchterinnen und Züchter waren auch die Ausführungen zur Fütterung der Mutterhündin von großer Bedeutung. Hier waren die neuesten Forschungsergebnisse berücksichtig. Ab dem Deckakt bis zum Abstillen gab es klare Empfehlungen von Frau Dr. Heydeck.

Die Arbeit des Züchters beginnt vor allem mit dem Wölfen der Welpen, Frau Dr. Heydeck zeigte, wichtige Einblicke in die Sozialisation, Fütterung und Entwicklung der Welpen. So sind viele Eindrücke für die Welpen prägend für das gesamte Leben. „Wenn es das Wetter zulässt, sollte man raus ins Revier, Autofahren üben, eine erste Wassergewöhnung wagen, wenn es die Temperaturen zulassen und Kontakt zu Wild suchen“. Alles in dieser Lebensphase prägt den späteren Jagdhund.

Frau Dr. Heyduck gab noch weitere Tipps, damit der Welpe sich gut in seinem neuen Zuhause einlebt. So sollten zunächst das gewohnte Futter und eine Decke aus der Hütte vom Züchter mitgegeben werden. Die Fütterungszeiten sollte der neue Besitzer kennen und zunächst einhalten.

Die rechtlichen Grundlagen zum Kaufvertrag führten zu reger Diskussion, da nach geltendem Recht auch der private Züchter 3 Monate für Mängel, die zum Zeitpunkt der Abgabe bestanden (z.B. Infektionskrankheiten, Würmer, genetisch bedingte Erkrankungen) haften muss. „Umso wichtiger, dass bekannte Mängel schon im Kaufvertrag festgehalten werden“, so Heyduck.

Der Vortrag der zweite Referentin Eva Senicar (praktische Tierärztin) schloss nahtlos an die Ausführungen von Frau Dr. Heyduck an. Nach einer theoretischen Einführung machte auch Frau Senicar deutlich, dass der perfekte Deckakt ohne Zwang und ohne Tricks ablaufen sollte.

Der häufigste Grund für das Ausbleiben einer Trächtigkeit ist das Verfehlen des geeigneten Decktermins, aber auch andere Ursachen wie Zyklusstörungen oder Gebärmutterentzündungen können ein Grund sein. Viele dieser Krankheiten oder Störungen sind vermeidbar. Herpesviren sind in den letzten Jahren verbreiteter. Hier schützt eine Impfung Hündin und Welpen.

Das Wölfen der Hunde, so eine klare Empfehlung, sollte vorbereitet sein, auch wenn die Hündin in der Regel ihren Instinkten folgt und die meiste Arbeit übernimmt. Unterstützung ist immer gut. Neben einer Wurfkiste, sollten man Handtücher, saugfähige Unterlagen, einen Absauger, Faden etc. parat haben. Traubenzucker und Joghurt für die Hündin helfen dieser in Wehenpausen, gerade bei hoher Anzahl von Welpen.
Beim Wölfen kann es auch diverse Komplikationen geben, die sehr anschaulich und praxisnah von Frau Senicar verdeutlicht wurde. Wehenschwäche oder auch ein zu wenig geöffneter Geburtskanal sind Beispiele hierfür. Wenn nur noch der Kaiserschnitt hilft, sollte man die Hündin auf keinen Fall im Anschluss allein mit dem Welpen lassen. Dies kann zu Verunreinigungen und schlechter Wundheilung führen.

 

Auch im Anschluss an die Geburt hat die Züchterin / der Züchter auf seine Welpen zu achten. Anzeichen wie Saugunlust, Lautäußerung über längere Zeit, Unruhe, Ruderbewegungen, Durchfall,

das Absinken der Körpertemperatur, aber auch Blässe der Schleimhäute sind hier Indikatoren, dass etwas nicht stimmt. Hierfür können viele Faktoren ursächlich sein. Bei bakteriellen Infektionen (ca. 50% aller Erkrankungen in den ersten zwei Lebenswochen) werden bedingt durch z. B. mangelhafte

Ernährung, ungenügende Hygiene, kalte Umgebung, Schwergeburten, ungenügende

Kolostrumaufnahme. Prophylaxe ist hier natürlich besser als Therapie und so gilt es die Zuchtstätte sauber zu halten.

 

Virale Infektionen sind auch ein häufiger Verlustgrund für Welpen. Neben dem schon erwähnten Herpesvirus, sind hier Parvovirose und Staupe zu nennen. Gerade deshalb ist ein Impfschutz bei Hündin und eine Grundimmunisierung äußerst wichtig.

Die anwesenden Züchterinnen und Züchter waren begeistert ob der Fachexpertise der beiden Referentinnen.  Der 1. Vorsitzende des JGHV Landesverbands Niedersachsen Jan Knoop dankte ihnen herzlich im Anschluss an Ihre Vorträge. Für weitere Themenvorschläge für Seminare des JGHV LV Niedersachsen ist der Vorstand sehr dankbar.

Autor für den Landesverband: Nils Reineke